Grundsatz einer Tempo-30-Zone
Grundsätzlich eignen sich siedlungsorientierte Strassen für eine mögliche Einführung von Tempo-30-Zonen. Diese Strassen dienen hauptsächlich der Erschliessung von Siedlungsgebieten (Anwohner, Langsamverkehr). Fussgänger, Radfahrer und motorisierte Verkehrsteilnehmer zirkulieren in der Regel im Mischverkehr auf derselben Fläche. Eine Angleichung der Geschwindigkeiten zwischen diesen Verkehrsteilnehmern wirkt sich positiv auf die Verkehrssicherheit aus.
Tempo-30-Zonen werten zudem unseren Lebensraum auf, sorgen für mehr Wohnqualität und reduzieren die Lärmbelastung.
Der Durchgangsverkehr soll wenn immer möglich auf die übergeordneten, verkehrsorientierten Strassen gelenkt werden. Diese verfügen über einen höheren Ausbaustandard betreffend Verkehrssicherheit (Trennung des Langsamverkehrs vom motorisierten Verkehr) und haben auch betreffend Leistungsfähigkeit eine höhere Kapazität als die siedlungsorientierten Strassen.
Lastwagenverkehr im Quartier bedeutet für die Anwohnerinnen und die Anwohner eine beträchtliche Einschränkung der Lebensqualität, namentlich im Bereich der Sicherheit, der Lärmimmissionen und der Lufthygiene. Aus diesem Grund sollte es ein stetiges Bestreben sein, den Anteil des Lastwagenverkehrs in den Quartieren möglichst auf den Zubringerdienst zu beschränken.
Im Gebiet von siedlungsorientierten Strassen ist vermehrt mit Kindern und älteren Personen zu rechnen, die dort zur Schule gehen, in Heimen wohnen oder Besuche machen. Diese Benutzergruppen haben eine reduzierte kognitive Fähigkeit. Es muss also davon ausgegangen werden, dass sie nicht rechtzeitig oder nicht richtig auf die Gefahren reagieren, die vom motorisierten Fahrzeugverkehr ausgehen. Ein Zusammenprall eines Fussgängers mit einem Fahrzeug, das mit 50 km/h unterwegs ist, überlebt er nur mit 30 % Wahrscheinlichkeit. Ereignet sich derselbe Zusammenprall bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h, steigt die Überlebenswahrscheinlichkeit auf 90 %.
Eine Tempo-30-Zone, die nichts kostet (keine Gestaltungs- sowie Verkehrsberuhigungselemente) wird nie den nötigen Erfolg mit sich ziehen. Mit einer dem Quartier angepassten Gestaltung der Strasse passt sich der Fahrverkehr automatisch den Verhältnissen an. Tempo 30 wird wie selbstverständlich akzeptiert. Die Gestaltung des Strassenraumes erhöht die Wohnqualität und die Sicherheit und wird so zum wichtigen Standortfaktor.
Durch eine Reduktion der Geschwindigkeiten kann wertvoller Platz gewonnen werden. Mit tieferen Geschwindigkeiten kann der Abstand beim Kreuzen zwischen Fahrzeugen reduziert werden. Die Strassen können schmaler projektiert werden, benötigen dadurch weniger Platz und kosten weniger. Zudem entspricht die Reduktion der Geschwindigkeit auf Tempo 30 einer Lärmreduktion von 2 - 3 Dezibel, was in etwa der Halbierung der Verkehrsmenge entspricht.
Durch die Einführung und Einhaltung von Tempo 30 kann der Energieverbrauch der Fahrzeuge und damit auch die Luftbelastung wesentlich reduziert werden.
